Heidi's interview to "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ, Sunday,
September 28, 2003) can now be seen at:
http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E4F1CD7D547D1
4C17B1E23CAC1043E3B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html
FAZ is a very important newspaper, Germany's equivalent to "The New York
Times". It should also be remembered that she had given another, similar
interview to the "Times" of London (Sunday, August 17, 2003). Frankfurt is
Germany's financial capital and the seat of the Central Bank of the European
Union. The interview focuses on Heidi's business plans.
Here is the text of the interview with some comments from me:
Supermodel
Die vielen Gesichter der Heidi Klum
Von Alfons Kaiser
29. September 2003 Heidi ist Heidi. Diesen ersten Grundsatz ihrer Karriere
würde Heidi Klum nicht so formulieren. Aber wenn sie aus ihrem Leben erzählt,
hört man ihn aus jedem zweiten Satz. Und wo sie von ihrem Leben erzählt,
spürt man es auch: Nicht im Mercer Hotel trifft man die New Yorkerin zum Tee,
sondern in einer der 132 Starbucks-Filialen, die es im Umkreis von fünf Meilen
gibt (New Jersey nicht mitgerechnet). Sie trägt schwarze Jeans, schwarze
Jeansjacke, blonde Haare, Sonnenbrille. Wären da nicht die neongrün und
neongelb leuchtenden Schuhe - sie fiele höchstens wegen ihrer Unauffälligkeit
auf.
Die Farbenfröhlichkeit läßt auf Experimentierfreude schließen, und wie zum
Beweis bestellt sie sich einfach einmal einen Tazo Tea. Nach Berichten von
Teeologen wird der schon seit 7000 Jahren wegen seiner beruhigenden und
verjüngenden Wirkung getrunken. Aber von wem? Heidi Klum nimmt einen Schluck
und prustet ihn fast wieder aus. Er schmeckt so süß, daß er garantiert nicht
aus dem alten Ägypten, sondern aus der Neuen Welt stammt. "Den kann ich nicht
trinken."
„Man möchte gut rüberkommen“
Die Bedienung tauscht das Süßwasser ohne Ansehen der Person in einen Earl
Grey um. So ist Heidi Klum wieder näher an ihrem Geschmack und also mitten im
Thema. Sie will es genau wissen. Vor einer Kampagne informiert sie sich: Wie
sieht der Spot aus? Was ist das Konzept? Schickt ihr mir das Layout? Welche
Kleider? Wer macht das Make-up? "Man möchte gut rüberkommen." Es gibt auf der
Welt viele Auffassungen, wieviel Haut bei einem Bikini-Shooting zu sehen sein
soll und kann und darf. Sie ist da lieber vorsichtig.
Auch das Eine-Million-Dollar-Angebot des "Playboy" lehnt sie ab. Zu leicht
können Bilder billig aussehen: "Ich möchte natürlich erscheinen, möchte
wiedererkennbar sein, nicht zu stark geschminkt, möchte wie ich rüberkommen,
nicht wie eine aufgezickte Frau mit dickem Make-up, Mascara und rotem
Lippenstift." Bisher zahlt es sich aus. Ihre Model-Karriere begann vor zehn
Jahren, brachte sie vor fünf Jahren auf den Titel von "Sports Illustrated" und
geht immer so weiter: "Es läuft gut." So gut, daß sie nun auch als
Designerin, Moderatorin und Autorin zu sehen, lesen und hören ist: "Wenn man
einen Schritt gegangen ist, darf man nicht aufhören. Viele Leute mit Erfolg
gehen so darin auf, daß es der letzte war."
Yoghurt-Gums zwischen den Zehen
Heidi ist Heidi ißt Katjes. Die Werbefilme sind witzig (im neuen Spot kommt
sie ins Hotelzimmer, leert ihre große Tasche, und nur Katjes-Tüten fallen
heraus), der Werbespruch ist einfach einprägsam ("Katjes-yes-yes-yes"). Katjes
wächst und wächst mit Heidi: Vergangene Woche eröffnete sie in Emmerich das
dritte Werk, bis zu 100 Arbeitsplätze hat sie mit ihrer Werbung geschaffen.
Sogar Moderator Reinhold Beckmann, jüngst gern kritisch, wird sich am Montag
abend in seiner (aufgezeichneten) zweihundertsten ARD-Show, bei der sie zu Gast
ist, Yoghurt-Gums zwischen die Zehen klemmen.
Und alles dreht sich um ein Produkt, das sie mag: Man kann mit ihr lange über
Katjes-Kinder und Katjes-Pfötchen debattieren. Wenn sie zurückkommt nach New
York, geht sie mit schweren Koffern und schlechtem Gewissen durch den Zoll,
wegen all der Gums und Pfötchen im Gepäck.
Heidi will Heidi bleiben. Deshalb arbeitet sie viel, aber nicht zuviel. Sie
macht Kampagnen in aller Welt und hat schon Shampoo, Lippenstifte, Telefone,
Süßwaren beworben.
„Ich versuche, verträglich zu sein“
Je bekannter sie ist, desto besser laufen die Produkte. Aber wenn sie abends
nach langem Flug zum Aufnahmeort kommt und noch zwei Stunden durchs Fitting
gehetzt werden soll, dann sagt sie auch mal: "Leute, seid mir nicht böse, das
machen wir morgen. Irgendwie bekommen wir das gewuppt." Kann das wachsende
Selbstbewußtsein nicht auch gefährlich sein? "Ich versuche, verträglich zu
sein." Und sie versucht, zügig zu arbeiten, dann hat sie Zeit für Shila, ihre
Hündin, die sich ansonsten mit dem Dogsitter, und für Flavio, ihren Freund,
der sich ansonsten mit der Formel1 beschäftigt.
Inzwischen hat sie auch die richtigen Agenturen für Modelling,
Fernsehauftritte und PR. "Wichtig ist, daß man viele Leute hat, am
wichtigsten, daß man der Anführer ist. Ich kann immer noch selbst
entscheiden." Nicht nur darin unterscheidet sie sich von anderen Models: "Ich
arbeite mich auch nicht kaputt. Man kann sehr schnell sehr viel machen - und
danach ist man tot."
Heidi versucht, ihr Image zu korrigieren
Heidi ist nicht nur Heidi. Das ist so etwas wie der zweite Grundsatz ihrer
Karriere. Sie will sich nicht einengen lassen auf das Bild der Werbefigur.
Natürlich ist sie weiter auf "Elle" und "Cosmopolitan" zu sehen, hübsch,
jung, kerngesund. "Aber so kennen mich die Leute ja schon alle!" Deshalb geht
sie auch zu schrägen Magazinen, zu "i-D", zum japanischen "Esquire", zum
"Another Magazine", wo es im Studio morgens keinen Lachs zum Frühstück gibt
und nachmittags keinen Kuchen, nicht mal Cappuccino.
Sie will auch "edgy" sein, trendig, vorneweg. Auf dem Laufsteg der New Yorker
Schauen geht sie in die gleiche Richtung und läuft nicht für Oscar de la
Renta oder Ralph Lauren, sondern für die Trendmarken Imitation of Christ und
Zac Posen. Sie gilt als kommerzieller Typ und korrigiert dieses Image: "Viel
Geld gibt's da nicht, aber man zeigt den Leuten, daß man auch andere Gesichter
haben kann."
Kansan's comment: Heidi says that she chose to appear for "Imitation of
Christ" during New York's Fashion Week (September 14, 2003) because it is a
trendy brand. Here is a beautiful photograph of her divine legs and immaculate
feet from that show:
http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E4F1CD7D547D1
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Ecommon~Scontent.html
Die Heidi Klum GmbH - ein Familienbetrieb
An die Frage "Was mache ich danach?" denkt sie nicht nur, weil sie in diesem
Jahr 30 Jahre alt geworden ist. "Man braucht ein Ziel. Wenn man immer nur zu
seinem nine-to-five-job latscht, hat man bald keinen Elan mehr." Schon früh
hat sie mit dem Vater alles geplant: "Wir phantasieren beide gerne herum und
organisieren das dann." Vor acht Jahren hat sie ihren Namen markenrechtlich
geschützt, bald darauf die Domain-Namen belegt - andere Models haben bis heute
im Internet nichts aufgebaut. Auch jetzt denkt sie weiter. Als die Firma
Birkenstock, angetan von ihrem Bekenntnis zu den Gesundheitsschuhen, im
heimischen Bergisch Gladbach anrief, machte die Familie Klum einen Ausflug nach
Vettelschoß.
Birkenstock ist ein Familienbetrieb und vertreibt die Produkte global - so
ähnlich wie sie, mit Günther Klum als Vater und als Geschäftsführer der
Heidi Klum GmbH. Die Familien verstanden sich. Seitdem schneidert sich Heidi
Klum neben dem Modeln eine Perspektive zurecht. So manchen Abend hat sie schon
in ihrer Wohnung damit verbracht, Prototypen für "Birkenstock styled by Heidi
Klum" zu kleben und zu hämmern.
Heidi ist ganz anders. Wenn sie bei sich bleibt, wirkt diese Botschaft. Und bei
sich ist sie schon im Namen. Dank einer fiktiven Figur sitzt er fest im
kollektiven Unbewußten und ist doch selten: "Heidi" setzt Assoziationen frei
und nimmt für sie ein. Das ist nicht zu unterschätzen angesichts der
unaussprechlichen Mädchen aus Osteuropa. Auch ihre Geschäftstüchtigkeit
bleibt: "Wenn ich nichts zu tun habe, ist mir langweilig. Bei mir ist immer
irgendwas los!"
Trendsetter mit dem Pottschnitt-Pony
Schon Oma Helene hat Versicherungen verkauft und abends gestrickt. Und Heidi
spinnt die Fäden weiter. Bald wird ein neues Projekt mit ihrem Namen auf
Millionen Produkten an diesen Fäden hängen. Auch mit den Haaren macht sie es
anders. Trendbildend war sie seit November 2002 mit dem Pottschnitt-Pony. Ihr
Friseur sagte: "Wenn jetzt noch eine Frau reinkommt mit deinem Bild, dann
krieg' ich einen Anfall!" Zuviele haben es gemacht. Deshalb wächst der Pony
wieder heraus: "Jetzt ist es für mich schon wieder langweilig." Nun werden die
Haare wieder hinters Ohr gesteckt. Heidi ist noch anders. Das sieht man
besonders in diesen Tagen. Einen Tag spielt sie Chefredakteurin beim Kölner
"Express" ("Gleich ist Andruck? Na, dann aber zacki-zacki!"). Im nächsten
Augenblick bereitet sie ihre große Halloween-Party vor. Dann plant sie ihre
zehn Reisesendungen für den "Discovery Channel".
Kansan's comment: This is the major news item in the interview. Heidi
is preparing a ten-part travel series for the "Discovery Channel". I think it
may premiere around December 2003.
Sie moderiert selbst, trinkt fermentierte Pferdemilch in der Mongolei, sucht
das Abenteuer und den Auftritt. Und wenn der Earl Grey ausgetrunken ist und man
sie ein paar Tage später am Flughafen JFK wiedertrifft, blättert sie durch
ein Manuskript, an dem sie seit acht Monaten schreibt. Ihr Buch soll ein
Ansporn sein für Leute, etwas aus sich zu machen. Kein Tratsch, sondern Tips.
Heidi ist eben Heidi. Das hört man nicht nur, wenn sie über ihr Buch
erzählt. Das sieht man auch, wo sie es erzählt. Weil am Gate alle Sessel
besetzt sind, sitzt sie auf dem Boden, Shila neben sich. Da kommt ein netter
Lufthansa-Mensch und gibt ihr ein Upgrade für die First Class. Heidi ist eben
nicht nur Heidi.
Kansan's comment: Heidi is writing a book with tips about modeling. It
may appear in January 2004. Tentative title:
"Heidi Klum's Body of Knowledge"
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.09.2003, Nr. 39 / Seite 52
Bildmaterial: dpa
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